ENN-ICS bietet 12 Kurse an:
1. Chronobiologische Grundlagen
(Hinweis: Dieser Kurs wird als frei verfügbarer Beispielkurs angeboten!)
2. Schlafphysiologie
3. Internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD)
4. Insomnie
5. Schlafbezogene Atmungsstörungen
6. Hypersomnie
7. Schlafstörungen des zirkadianen Rhythmus
8. Parasomnien
9. Schlafbezogene Bewegungsstörungen
10. Das Schlafmedizinische Labor
11. Schlafhygiene
12. Schlaf bei Kindern
In Vorbereitung:
Narcolepsy
Sleep in the Elderly
Zur effektiven und pädagogisch sinnvollen Präsentation des eLearning-Anbebotes ist das Verständnis der eLearning-Methodologie notwendig. Im Dokument "eLearning-Methodologie" wird folgende Frage diskutiert:
"Warum ist eine didaktisch akzentuierte Struktur des eLearning-Angebotes notwendig?"
Kurzbeschreibungen der Kurse:
Biologische Rhythmen sind bei den meisten Lebewesen (Pflanzen und Tiere) zu beobachten. Das heißt, dass sich Körperfunktionen in bestimmten Intervallen periodisch wiederholen. Jeder biologische Rhythmus hat eine spezifische Periode. Biologische Rhythmen mit einer 24-Stunden-Periode werden zirkadiane Rhythmen genannt. Der Schlaf-Wach-Zyklus ist ein zirkadianer Rhythmus, dem Menschen und die meisten Tiere unterliegen. Innerhalb des 24-Stunden-Rhythmus findet der Schlaf bei den meisten Menschen und Tieren in der Nacht statt. Die zirkadiane Rhythmizität wird durch Zellen in den suprachiasmatischen Kernen des Hypothalamus reguliert, die die biologische Uhr bilden. Der 24-Stunden-Rhythmus ist sehr stabil und reguliert andere Rhythmen, wie Aktivität, Leistungsvermögen, endokrine und immunologische Funktionen. Ferner ist der Schlaf als physiologisch organisierter Zustand mit eigener Struktur auf die meisten Säugetiere begrenzt. Auch die autonomen Funktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Blutdruckregulierung passen sich dem zirkadianen Rhythmus an. Bei transmeridianen Flügen sind ebenfalls Anpassungen des zirkadianen Rhythmus an den 24-Stunden-Rhythmus der neuen Umgebung erforderlich.
Die Funktionen des Schlafes sind noch nicht gänzlich erforscht. Schlaf ist für das Überleben der meisten Tiere erforderlich und einige Tatsachen sprechen dafür, dass Schlaf wesentlich für die Gedächtnisbildung und die hormonelle, thermische und immunologische Homöosthasis ist. Schlaf ist nicht die bloße Abwesenheit von Aktivität, sondern weist eine interne Struktur mit Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf (schnelle Augenbewegungen) auf. Tiefschlaf hat eine körperliche Erholungsfunktion und die anabolische Hormonproduktion ist direkt an ihn gekoppelt (Wachstumhormon und Prolaktin). Er dient zudem der Erholung des Gehirns infolge der deutlichen Verminderung der Hirnaktivität. Der REM-Schlaf, in dem die meisten Träume vorkommen, dient dem mentalen psychischen Gleichwicht. Obwohl auch in den sogenannten Non-REM-Schlafstadien geträumt wird, treten die lebhaftestenTräume während des REM-Schlafes auf. Die Schlafstadien treten im Schlaf in gut organisierten Zeitfolgen auf, die als Schlafzyklen bezeichnet werden. Ein Schlafzyklus hat eine Dauer von 90 bis 110 Minuten. Er beginnt mit Leichtschlaf, auf den Tiefschlaf und REM-Schlaf folgen. Im Nachtschlaf treten 4 – 5 Schlafzyklen auf.
Das zentrale Nervensystem und seine Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Darmaktivität verändern sich mit den Schlafstadien, vor allem im REM- und Non-REM-Schlaf. Während des REM-Schlafes ist eine hohe Variabilität sämtlicher Funktionen zu beobachten, die ihn anfälliger für Störungen machen.
Schlafstörungen drücken sich entweder durch Beschwerden der Schlaflosigkeit aus, die als Insomnie bezeichnet wird, oder durch exzessive Schläfrigkeit, die als Hypersomnie bezeichnet wird. Die Beschwerden können durch Stress, umweltbedingte Faktoren, organische oder psychiatrische Erkrankungen oder Störungen des eigentlichen Schlaf-Wach-Systems verursacht sein. Seit der systematischen Entwicklung der Klassifikation der Schlafstörungen können über 80 verschiedene Schlafstörungen unterschieden werden. Die Schlafstörungen werden eingeteilt in Insomnien, Hypersomnien, Schlafbezogene Atmungsstörungen, Schlafbezogene Bewegungsstörungen, Parasomnien, Schlafstörungen des zirkadianen Rhythmus, normale Varianten und andere Schlafstörungen.
Die Beschwerde der Insomnie tritt sehr häufig auf. Insomnie wird häufig durch Stress, umweltbedingte Störungen oder organische oder psychiatrische Erkrankungen verursacht. Bei manchen Insomnietypen handelt es sich um intrinsische Schlafstörungen. Bei der Fehlbeurteilung des Schlafzustandes handelt es sich um eine Schlafstörung, bei der der Patient meint, er würde nicht schlafen, tatsächlich aber ausreichend schläft. Bei psychophysiologischer Insomnie ist Hilfe durch einen schlafmedizinischen Experten erforderlich. Die meisten Insomnietypen können von schlafmedizinischen Experten mittels spezifischer Fragen und Patientengespräche diagnostiziert werden. Sorgfältig geführte Schlaftagebücher und Schlafprotokolle können für die Diagnostizierung von Schlafstörungen ebenfalls sehr hilfreich sein. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist nur in wenigen Fällen erforderlich, um eine ultimative Diagnose zu stellen. Insomnien werden üblicherweise mit Verhaltenstherapien, Regeln der Schlafhygiene und Medikationen (Hypnotika, Antidepressiva und Sedativa) behandelt. Solche Medikationen können zwar helfen, den Teufelskreislauf bei schwerer Insomnie zu durchbrechen, aber Schulungen zur Veränderung des Verhaltens leisten bei Insomnie dauerhaft bessere Hilfe.
Schlafbezogene Atmungsstörungen sind sehr verbreitet. Mit einer Prävalenz von 2% bei Frauen und 4% bei Männern ist die Obstruktive Schlafapnoe die häufigste Schlafbezogene Atmungsstörung. Zu den Schlafbezogenen Atmungsstörungen zählen Zentrale Schlafapnoe und eine Reihe verschiedener Hypoventilations-Syndrome, die bei Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz vorkommen. Bei Apnoe handelt es sich um ein Sistieren des Atemflusses mit einer Dauer von 10 oder mehr Sekunden. Der Apnoe-Index gilt als anormal, wenn mehr als 5 Apnoen pro Stunde auftreten. Apnoen sind häufig mit Sauerstoffentsättigungen verbunden. Sie führen zu nicht-erholsamem Schlaf, schweren Sauerstoffverlusten und kardiovaskulären Störungen. Betroffene Patienten leiden unter exzessiver Tagesschläfrigkeit. Infolgedessen unterliegen sie erhöhter Unfallgefahr im Straßenverkehr. Bei ihnen bestehen außerdem höhere Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen wie arterieller Bluthochdruck, Ischämie mit myokardialer Infarktbildung und Schlaganfall. Die Therapie beruht auf non-invasiver Beatmung mittels nasaler kontinuierlicher Überdruckbeatmung nCPAP. Diese Therapie lässt alle Symptome abklingen und vermindert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erheblich. Gewichtsabnahme und alkoholische Abstinenz sind ebenfalls sehr wichtig. HNO-Operationen oder mandibuläre chirurgische Eingriffe mit Techniken der mandibulären Verschiebung sollten in bestimmten Fällen angewandt werden.
Hypersomnie mit der Beschwerde exzessiver Tagesschläfrigkeit kann durch Schlafbezogene Atmungsstörungen, Schlafbezogene Bewegungsstörungen oder andere Ursachen hervorgerufen werden. Die genannten Störungen werden in den entsprechenden Lektionen besprochen. Bei den anderen Ursachen zählt Narkolepsie mit und ohne Kataplexien zu den wichtigsten Diagnosen. Narkolepsie ist eine seltene Schlafstörung, die sich durch plötzlich auftretende Schlafattacken am Tage und einen erheblich gestörten Schlaf in der Nacht auszeichnet. Tritt eine Schlafattacke auf, ist der Patient nicht imstande, wach zu bleiben. Bei Narkolepsie mit Kataplexien werden die kataplektischen Attacken durch Emotionen, wie Scherze oder Ärger, ausgelöst. Sie äußern sich in Form einer plötzlichen Muskelatonie mit dem Risiko, dass Patienten fallen können. Die Atonie hat einen kranio-kaudalen Verlauf und wirkt sich zuerst auf Augenlider, Kaumuskeln und Nackenmuskeln aus. Der Schlaf ist nicht erholsam. Polysomnographien zeigen, dass der Schlaf mit REM-Schlaf beginnt. Für die Diagnose sollte eine Multipler Schlaflatenztest durchgeführt werden. Die Pathophysiologie schließt eine gestörte Orexin-Hypocretin-Sekretion ein, die manchmal einen sehr niedrigen Stand an Rückenmarkflüssigkeit aufweist. Es gibt eine genetische Prädisposition für Narkolepsie. Mit Medikamenten kann eine Minderung der Symptome erreicht werden.
Schlafstörungen des zirkadianen Rhythmus treten häufig bei Menschen auf, die Nachtschicht arbeiten. Transmeridiane Flüge verursachen Schlaf-Wach-Probleme, die durch eine Störung des zirkadianen Rhythmus erzeugt werden. Es gibt intrinsische Störungen des zirkadianen Rhythmus, zu denen das vorverlagerte Schlafphasensyndrom, das verzögerte Schlafphasensyndrom oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Zyklus zählen. Diese Störungen verursachen zahlreiche Probleme in der sozialen Interaktion. In diesen Fällen ist Verhaltensberatung die beste Therapie. Steuernde Zeitgeber wie Lichttherapie, Sport am Tag oder schlafhygienische Empfehlungen können zur Beseitigung der Probleme beitragen, die durch Schlafstörungen des zirkadianen Rhythmus verursacht werden. Melatonin ist in bestimmten Fällen hilfreich.
Bei Parasomnien treten während des Schlafes anormale Bewegungen und autonome Aktivierungen auf. Aufwachstörungen stellen zusammen mit Non-REM- und REM-Schlaf assoziierten Störungen eine große Gruppe der Parasomnien dar. Auch Schlafwandeln und Verhaltensstörung im REM-Schlaf zählen zu den Parasomnien. Die Ursachen für die meisten Parasomnien sind noch nicht geklärt. Stress, andere Störungen und verschiedene Medikamente können zur Entstehung von Parasomnien beitragen. Bei einigen Parasomnien können Medikamente zur Verringerung der Symptome beitragen. Präventive Maßnahmen sind sehr wichtig und können bei der Behandlung der Probleme hilfreich sein.
Schlafbezogene Bewegungsstörungen werden häufig von Hypersomnie begleitet. Manche Patienten klagen auch über Insomnie, da sie aufgrund der Bewegungen häufig erwachen. Bei diesen Störungen handelt es sich um Bewegungen der Gliedmaßen. Bei manchen Patienten treten diese Bewegungen nur im Schlaf auf, wie bei den Periodischen Bewegungen der Gliedmaßen, bei anderen Patienten treten sie auch am Tage auf, wie beim Syndrom der Ruhelosen Beine. Es gibt auch andere Bewegungsstörungen, wie das Parkinson Syndrom, bei denen Schlafstörungen als Begleitsymptom auftreten. Schlafbezogene Bewegungsstörungen erfordern eine Untersuchung im Schlaflabor und Durchführung einer kardiorespiratorischen Polysomnographie, um den Ursprung der Gliedmaßenbewegungen zu ermitteln und quantitativ zu bestimmen. Verschiedene medikamentöse Behandlungen können zur Verminderung der Symptome beitragen.
Das Schlaflabor führt Untersuchungen durch, die entsprechend den spezifischen Problemen, die es zu behandeln gilt, ausgewählt werden. Schlafaufzeichnungen werden in Form von kardiorespiratorischen Polysomnographien durchgeführt. Diese Untersuchung besteht aus der Aufzeichnung des Elektroenzephalogramms (EEG), des Elektrookulogramms (EOG) und des Elektromyogramms (EMG) und dient der Bestimmung der Schlafstadien. Anhand der aufgezeichneten Schlafmuster können Wachheit, Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf (schnelle Augenbewegungen) bestimmt werden. Zusätzlich wird die Atmung mit Hilfe von Sensoren zur Erfassung des Atemflusses und der Atmungsanstrengung gemessen, um Atmungsstörungen zu ermitteln. Das Elektrokardiogramm (EKG) wird zur Ermittlung kardialer Arrhythmien während der Nacht aufgezeichnet. Das Elektromyogramm (EMG) der Beine wird zur Ermittlung von Bewegungsstörungen aufgezeichnet. Im Schlaflabor werden aber nicht nur Schlafaufzeichnungen, sondern auch Tagesaufzeichnungen zur Ermittlung von Tagesschläfrigkeit durchgeführt. Dazu werden der Multiple Schlaflatenztest und der Wachbleibetest eingesetzt. Mit der ambulanten Schlafaufzeichnung können auch zu Hause unter normalen Schlafbedingungen Schlafstörungen ermittelt werden. Auch der OSLER Test und die Aktigraphie können eingesetzt werden. Richtlinien und Empfehlungen zur Durchführung sämtlicher Aufzeichnungen unter Anwendung der geeignetsten technischen Verfahren sind publiziert.
Für einen erholsamen Schlaf müssen bestimmte schlafhygienische Regeln eingehalten werden. Verhaltens- und umweltbedingte Faktoren sowie Drogen und psychoaktive Substanzen wirken sich stark auf den Schlaf aus. Regelmäßige Schlaf-Wach-Zeiten, mäßige Aktivität am Abend und regelmäßige Schlafroutinen sind hilfreich. Im Bett sind nur Schlafen und Sex erlaubt. Üppige Mahlzeiten und Rauchen am Abend wirken sich schlafstörend aus. Licht, Lärm und extreme Temperaturen im Schlafzimmer stören den Schlaf ebenfalls. Viele Drogen und psychoaktive Substanzen, wie Alkohol, Nikotin, stimulierende sowie andere Medikamente beeinflussen den Schlaf und sollten möglichst vermieden werden.
Der Schlaf entwickelt sich mit dem Alter. In den ersten Monaten schlafen Kinder bis zu 16 Stunden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist der Schlaf in Ruhigen Schlaf und Aktiven Schlaf unterteilt. Wachheit wird nach Ruhiger Wachheit und Aktiver Wachheit unterschieden. Nach 3 Monaten tritt der Schlaf überwiegend während der Nacht auf und die Gesamtdauer verkürzt sich langsam. Auch Non-REM- und REM-Schlaf lassen sich unterscheiden. Nach 6 Monaten verringert sich die Schlafdauer weiterhin. Nach 3 Jahren nehmen die häufigen Nickerchen am Tage ab. Im Alter von 6 Jahren ist eine normale Schlafstruktur erreicht, wobei viel Tiefschlaf zu Beginn des Schlafes auftritt. Im Jugendalter zeigt sich nochmals ein erhöhtes Schlafbedürfnis, dem häufig nicht entsprochen wird, so dass Schlafdefizite entstehen. Schlafstörungen bei Kindern können mit spezifischen Symptomen und Begleiterscheinungen verbunden sein. In der Kindheit treten häufig Parasomnien auf, die im Laufe des Wachstums nach und nach abklingen.
Created: ENN-ICS consortium
Date:
2006-03-08
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